Von Männerbesuch und Negerlippen

Einen schönen Sonntag Abend euch allen! Da war sie schon wieder vorbei... die letzte Woche. Mit viel Arbeit und einigen schönen Erlebnissen.

Seit fast 2 Monaten ist nun bei uns schon Sommer - und kein Tropfen Regen. Was für uns schön ist, wird für die Bauern langsam zur Existenzfrage. Unser Kornacker nebenan wechselt gerade sein Farbe von saftig grün zu einem hellen braun, und das ist nicht gut. Gar nicht gut. Wir brauchen dringend Regen. Es gilt das Verbot von offenem Feuer, und auch Rasensprengen o.ä. ist nicht mehr erlaubt. Die Wassermagazine sind fast leer...

Allerdings genießen wir das herrliche Wetter jeden Nachmittag irgendwo in der Natur, nach der Arbeit im Job und vor der Arbeit, die zu Hause ansteht. Meist gehen wir an einen der Flüsse in der Umgebung. Momentan ist der Wasserstand sehr niedrig - auch der Schmelzwasserzufluss aus den Bergen liegt in den letzten Zügen.

Das ist zum Baden und Planschen natürlich der Idealzustand und wird gerne genutzt.

Wenn ich dann unten in der Ferienwohnung weitermache, sind Mirah und Wolfskin im Garten. Wolfskin hat sich zwischen den Koniferen, gleich neben Josys Grab, eine Höhle gebaut, und wenn man nicht weiß, wo er ist - dann sieht ihn keiner! Ein bombensicheres Versteck. :-)

Oder wir fahren nach Andalsnes, an den Rauma-Fluss. Es gibt dort einen winzigen Campingplatz mit einem kleinen, aber feinen Strand. Es ist wunderschön da.

Am Donnerstag bekam ich dann überraschend Besuch. Männerbesuch. Gleich zwei. Auf Motorrädern.

Ich war gerade am Streichen meiner zukünftigen Bücherregal-Bretter, angetan mit farbbeklecksten Schlabberhosen, einem weiß gesprenkelten T-Shirt, praktischem Pferdezopf und natürlich ungeschminkt.

Da fuhren 2 Motorräder meine Einfahrt hoch und hielten vor mir. Ich muss wohl ganz schön skeptisch geguckt haben, denn einer der beiden holte sofort etwas aus seiner Packtasche. Keine Pistole und auch keinen Bettelbrief oder einen Teppich - nein, mein Buch! "Wir wollen zur Autorin!" meinte er. O je, da hatten sie mich ja eiskalt erwischt! Georg, der ältere von beiden, und sein Sohn Harry sind seit Jahren mit den Motorrädern in Norwegen unterwegs und wollten nun für einen Freund ein Autogramm ins gekaufte Buch. Wir haben uns bestimmt eine ganze Stunde sehr nett unterhalten - und nun hab ich auch Connections nach Föhr :-) :-) Liebe Grüße an euch zwei, Georg & Harry! War total nett, euch kennengelernt zu haben!

Am Freitag ging die Besuchswelle gleich weiter. DIe Gartennachbarn meiner Eltern kamen mit ihren beiden Wohnmobilen auf eine Stippvisite bei mir vorbei. Und weil wir Erzgebirger nun mal so sind, wurde aus der Stippvisite ein richtig gemütlicher Grillabend, danach saßen wir noch bis halb 2 auf der Veranda. Da ich gerade dabei war, meinen neuen Gasgrill (ja - ich habe mich zum bekennenden Gasgriller gemausert!) zusammenzubauen (in der Anleitung stand: 1 Stunde Montagezeit; ich habe zum Auspacken schon eine dreiviertelste gebraucht!), kamen mir die 2 Männer gerade recht. Während wir Mädels Essen vorbereitet haben, montierten die zwei den Grill fertig. Auch nicht schlecht.

Am nächsten Morgen machten wir noch ein herrliches Draußen-Frühstück im Garten, bevor es für sie nach ein bisschen Shoppen und Kreuzfahrtschiff-Gucken in Andalsnes weiter auf ihrer Route ging.

"Ein herrliches Fleckchen Erde ist das, auf dem du hier wohnst, Heike!" sagten sie.

Danke ihr Lieben für den Besuch!

Aber das absolute Highlight dieses Wochenendes war die Tanzveranstaltung gestern abend. Also heute Nacht. Hafentanz in Måndalen. Das ist ein kleiner Ort, in dem auch Kai und MayBrit wohnen, und auch 2 meiner Freundinnen. Wolfskin schaffte ich zu Kai, und nach dem glücklichen Ende der Veranstaltung habe ich bei Kai geschlafen.

Aber erstmal gings zum Vorspiel. Ein Schelm, der Böses denkt... Hier in Norwegen ist das Vorspiel etwas ganz anderes als in Deutschland - und es heißt wirklich richtig VORSPIEL, auch auf norwegisch. Wir würden dazu Vorglühen sagen... Ohne dieses Vorspiel geht hier niemand aus. Man trifft sich bei jemandem, oft gibt es was zu essen und eben ordentlich was zum Vorglühen. Die Flaschen machen die Runde und es ist nicht verwunderlich, dass zum Beginn des Festes alle schon ordentlich Schieflage haben. Außer mir, ich bin da eher zurückhaltend.

Um 9 war Einlass, um 10 begann die Musik zu spielen, schöne Musik übrigens. Viertel 11 saßen wir immer noch bei der Freundin zum Vorglühen, und ich wurde langsam unruhig. Das ist ja so gar nicht mein Ding! Wenn es um 9 losgeht, dann.... ihr wisst schon, bin ich 2 Minuten vor 9 da. Aber nicht die Norweger! Als wir halb 11 hinkamen, waren wir noch mit die ersten.

So nach und nach füllte es sich, mindestens die Hälfte waren Jugendliche. Und nun komme ich zum springenden Punkt. Irgendwas muss ich verpasst haben. Was ist in den vergangen 30 Jahren seit meiner Jugendzeit mit den Kids passiert?! Anstand und Benehmen kenne ich anders; ich kann euch fast jede Unterhose der Jungs beschreiben, weil ihre Jeans oder Jogginghosen(!) in den Kniekehlen hingen. Und die Mädels... die wiegen allein durch die Schminke 5 Kilo mehr.

Aber das Schärfste war Negerlippe. So haben wir dieses Exemplar einer sicher ehemals hübschen jungen Dame getauft. Sie hat mich den ganzen Abend so sehr fasziniert, dass es mir allein durch meine Beobachtungen und Mutmaßungen nicht langweilig wurde.

Sie war dünn. Ok, es kann nicht jeder so kernig sein wie ich. Aber der Busen dazu war sicher nicht auf ihrem Mist gewachsen, sondern in einer Form, in die man Silikon schüttet. Ich hatte zwischenzeitlich bisschen Angst, dass das Mädel vornüber kippt! Und dann die Augenwimpern. Also ich habe ja schon so einiges gesehen in letzter Zeit. Dass lange, gebogene falsche Wimpern modern sind, weiß ich auch. Nur wissen die meisten anscheinend nicht, wie stockhässlich und geradezu lächerlich sie damit aussehen, wenn man es übertreibt - wie in diesem krassen Fall. Die Augen von Negerlippe waren immer halb geschlossen, entweder weil sie schon ordentlich tief in die Flasche geguckt hatte (was auch das schräge Laufen erklären könnte), oder weil die Wimpern der Erdanziehungskraft nicht wiederstehen können! Die sahen echt aus, als wenn ein kleiner Vogel drauf sitzt und seine Flügel spreizt. Abartig. Und dann die Lippen!! Leute, man sieht sowas ja immer nur bei den Promis im Fernsehen, bei denen die OP's verunglückt sind. Aber ich musste auch immer wieder hingucken, so extrem hässlich sah das aus. Irgendwie hat sich da jemand enorm in der Größe der Spritze vergriffen. Ich muss nicht extra erwähnen, dass Negerlippe ihr Make up sicher mit der Spachtel aufgetragen hat. Ich kann mit einer Spachtel umgehen - sie nicht.

Wenn man doch noch ein wenig weiter nach unten geschaut hat, sah man 10 lange Spitzen an ihren Fingern baumeln. Es dauerte ein wenig, bis ich in dem schummrigen Licht erkannte, dass das ihre Fingernägel waren! Ich beobachtete sie dann die ganze Zeit auf der Tanzfläche (nicht beim Tanzen - beim irgendwie umherschwanken), und jedesmal tat mir der Junge an ihrer Seite (es waren verschiedene) mehr leid. Es konnte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sie bei ihren Umhergefuchtele einen von ihnen mit ihren Fingern erdolchte!

Eine zeitlang habe ich dann überlegt, ob ich nicht mal zu ihr hingehen und ihr raten sollte, ihren Schönheitsdoktor zu verklagen. Ich habe mir dann von Kai sagen lassen, dass Negerlippe eine zeitlang in Oslo gelebt hat, mit irgendeinem Millionär zusammengewesen sei und in der Erotikbranche ihr Geld verdient hat. Nu da. Das sie wieder hier im Dorf gelandet ist scheint zu beweisen, dass sie des Millionärs die Fehlinvestition des Lebens gewesen ist.... Zum Glück sind Geschmäcker verschieden. Jedenfalls war der Abend sehr kurzweilig dank Negerlippe.

Nun ist das Wochenende schon fast vorbei, und ich bereite mich auf eine neue, arbeitsreiche Woche vor.

Rutscht gut rein in den Montag und genießt noch ein paar Stunden Sonntag!

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