Skinas Tagebuch (3)

04.04. / 05.04.2016  Tag 20+21

Gestern musste Skina das erste Mal über ein paar Stunden allein zu Hause bleiben. Josy und Shunka sind das gewöhnt und dösten die ganze Zeit über. Mit einem etwas mulmigen Gefühl habe ich mich auf den Weg zur Arbeit gemacht; Michas erster Arbeitstag nach 3 Wochen Ferien begann schon früh um 4.

Skina hat am Morgen brav ihre beiden Geschäfte gemacht und sich dann auf ihren neuen Lieblingsplatz im Wohnzimmer zurückgezogen. Josy in meinem Büro und Shunka wie gewohnt im doppelten Flur.

Ich fuhr in der Mittagspause wie ein geölter Blitz nach Hause, ich hatte keine  Ruhe.  Und was mussten meine erstaunten Augen sehen? Nichts! Gar nichts! Alles war ruhig und in Ordnung.  Nach der Arbeit musterte ich unser Wohnzimmer etwas genauer. Skina hatte offenbar doch ein bisschen Langeweile gehabt und sich im Trampolin-Springen versucht. Jedenfalls zeugten die Spuren auf den Sofas und dem Sessel von regem Gebrauch :-)  Aber ansonsten war alles in schönster Ordnung.

Abends starteten wir dann unser erstes richtiges Leinenexperiment. Flur leergeräumt, Leine auf passende Länge geschnitten, Hühnchen in appetitliche Happen zerteilt (der Zweck heiligt ab und an bekanntermaßen die Mittel), Skina Halsband angelegt. Denn das hatte ich mittlerweile hinbekommen - dem Schatz ein Halsband anzulegen. Ich hatte mitbekommen, wie mir Skina morgens interessiert im Bad zugeshaut hat, wenn ich mich gewaschen und gekämmt habe. Also schnappte ich mir ihr Halsband und tat so, als würde ich mir damit durch die Haar fahren. Das gleiche machte ich dann bei ihr - sie mit dem Halsband "kämmen". Und Skina lies es sich nach kruzer Zeit auch gefallen! Dann dauerte es sich mehr lang, und ich konnte ihr das Halsband über den Kopf streifen. Sie blieb zwar dabei stocksteif in ihrer Eck stehen oder verkroch sich sogar in die Ecke, aber sie wehrte sich nicht und wendete ihren Kopf nicht mehr ab.

Dann Leine angelegt. Lediglich das Geräusch des Karabiners irritierte Skina ab und an noch. Micha stand mit dem Handy zum Videodrehen bereit und drückte auf den falschen Knopf. Kein Video also.  Jedenfalls gestaltete sich Skinas "erstesMal" weniger turbulent als wir befürchtet hatten. Zwar lief sie schon aufgeregt von einer Ecke in die andere, versuchte aber nicht ein einziges Mal, sich das Halsband abzustreifen oder in die Leine zu beißen. Wir beendeten das Ganze nach wenigen Minuten - besser konnte es nicht laufen. Nun dachte ich erst, dass sie uns wohl den Rest des Tages meiden und schmollen würde - nein! Weit gefehlt. Sie blieb nach wie vor in unserer Nähe, ließ sich streicheln und nahm huldvoll diverse essbare Spenden an. Das erste Mal schlief Skina die Nacht im Wohzimmer neben meinem Stuhl am Esstisch. Ich legte ihr noch eine Decke hin, und schwuppdiwupp lag sie drauf. Wunderbar.

Heute waren die Vierbeiner wieder alleine - irgendwann müssen wir ja ihr Futter verdienen! Diesmal tobte sich Skina schon etwas mehr aus: Auf diversen Fensterstöcken fanden sich Haare, die zweifellos unserer Skina zugeordnet werden konnten, in der Küche war offensichtlich der Papiermüll von regem Interesse gewesen und scheinbar erregte mein frisch gegossener Basilikumtopf Skinas Neugier, denn das Gießwasser im Unterteller tropfte vom Fensterbrett und vom Fell des Übeltäters. Aber alles im grünen Bereich! Es würde sich ändern, wenn Skina endlich nach draußen kommt!

Gestern sind unsere hohen Zaunteile gekommen, am Wochenende werden sie aufgestellt und dann hoffen wir, dass Skina endlich wieder Erde unter die Füße bekommt. Doch das muss gut vorbereitet und bis ins kleinste Detail geplant sein.

06.04.-08.04.2016  Tag 22-24

Die Woche schreitet voran. Ich bin schon ganz aufgeregt, wenn ich ans Wochenende denke - da soll Skina das erste Mal raus.

Am Donnerstag hatte ich wieder ein tolles Erlebnis. In den letzten Wochen habe ich bemerkt, dass Skina wahnsinnig viel Haare verliert - Fellwechsel, der  Sommer kommt! Büschelweise flog feinste Wolle in allen Ecken umher. Da wir das von Shunka kennen (sie legt schon immer vor Weihnachten die Sommerkollektion an, versteh das wer will!), hatte ich mir extra so eine tolle Bürste gekauft, bei der sich die Bürstennadeln drehen und mit der man wunderbar lose Unterwolle schmerzfrei herauskämmen kann. Also, her mit der Bürste. Geht sowieso nicht, dachte ich gleich. Skina lag brav auf ihrem Lieblingsplatz neben dem Esstisch (und den Ladekabeln, siehe Bild oben) und ließ sich von mir streicheln. Dann tauschte ich flugs eine Hand gegen die Bürste aus. Erst ein ganz kurzes Zucken, nervöser Blick - dann legte sie sich wieder auf die Seite und ließ sich einen ganzen 10-Liter-Eimer!!!!  Unterwolle ausbürsten.  Sie wusste erst nicht so richtig, ob es ihr gefällt oder ob sie es nur erdulden soll... aber als ich abgesetzt habe, kam sie mir mit dem Körper entgegen. Ein eindeutiges Zeichen, dass sie mehr davon wollte. Hurra!! Schaut euch die Bilder unten an - das ist doch kein Hund, eher ein Schaf?! :-)

Gestern hatte ich dann noch ein schönes Erlebnis mit Skina. Wie in den letzten Tagen auch bin ich zur Mittagspause von der Arbeit nach Hause gefahren, um nach dem Rechten zu sehen und Skina notfalls auf die Terrasse zu lassen. Und wisst ihr was? Als ich zur Wohnungstür reinkam, kam sie mir entgegen! Jaaa! Das allererste Mal, dass sie nicht irgendwo lag und mich von dort aus beobachtet hat, sondern sie direkt vor mir stand. Und das gleiche passierte nochmal am Nachmittag nach der Arbeit. Es war so ein schönes Gefühl! Ich bin mir sicher, dass irgendwann auch noch das Schwänzchen ganz leicht anfängt zu wackeln - irgendwann!

09.04.2016   Tag 25

Ein wunderschöner, sonniger Tag hat begonnen; mit einem herrlichen Morgenspaziergang mit Shunka. Alles ruhig, nur die Vögel zwitschern.  So mag ich es. Wird Zeit, dass Skina endlich raus kann!

Der heutige Sonnabend stand ganz unter dem Zeichen ZAUNBAU.  Gar nicht so einfach, bei steinigem und sogar felsigem Boden 2 Meter Bauzäune stabil aufzustellen! Micha hat ganz schön geschuftet. Er hat sogar die Füße der Zäune eingebuddelt, weil ihm der Abstand zum Boden sonst zu riskant gewesen wäre ...  Wo er recht hat, hat er recht (Hab ich das jetzt wirklich gesagt??) Leider musste da auch ein Teil meiner frisch aufgeschütteten und eingesäten Muttererde dran glauben, bääähhh... Nun ja, wächst schon wieder.

Auch mussten wir sämtliche Schlupflöcher, wie die Hohlräume unter unserer Eingangstreppe und den Treppenzugang zum Keller verbarrikadieren. Und das alles mit möglichst wenig Aufwand und wenig Schaden - das alles soll ja nicht ewig so bleiben, sondern nur eine vorübergehende Lösung für unsere Maus sein. Bis zum Abend hatten wir straff zu tun, also würde der erste Versuch erst morgen starten. ** hibbel hibbel**

Der Blick in "Skinas Garten" von der Haustür aus gesehen

(natürlich ist der Zaun geschlossen, wenn wir Skina raus lassen. Aber wir müssen ja irgendwie aus unserem "Gehege" rauskommen, und unsere Mieter sind auch nicht erpicht darauf, über den Zaun zu klettern - also Notöffnungslösung).

10.04.2016  Tag 26

Sonntag. Sonnentag - im wahrsten Sinne des Wortes. Heute soll Skinas großer Tag sein. Aber erst erlebten wir noch eine Riesenüberraschung...

Skina war ja ehemals Wolfskin. Also wir wollten einen Rüden namens Wolfskin adoptieren, bis man uns ganz aufgelöste mitteilte, dass irgendwie in den Papieren was verwechselt wurde und Wolfskin ein Mädchen ist. Machte uns nicx - egal! Unsere beiden Mädels kommen mit beiden Geschlechtern gut aus.

Also wurde aus Wolfskin Skina und alles warens zufrieden.

Heute am Frühstückstisch präsentierte uns Skina ihren Bauch - und da bemerkte ich etwas, was bei einem Mädchen da so eher nicht hingehört! Ich dachte, ich falle aus allen Wolken. Durch das fehlende Hinterbein sah es beim Pullern auch eher nach Mädchen aus, das viele Fell und vor allem kein Zweifel daran, dass unser dritter Hund auch ein Mädel ist, hatten uns bisher völlig in Sicherheit gewiegt.  Haha... kein Fehler in den Papieren! Doch ein Wolfskin und keine Skina, auch toll. Irgendwie kommt uns das ER noch schwer von den Lippen, aber das wird. Auf Skina hört sie ja...äh... er ja schon ganz gut, also werden wir den Namen beibehalten.

Am Vormittag machten wir alles bereit. Alle Türen auf, alles im Weg stehende weggeräumt, Gürteltasche mit Leckerlis umgeschnallt - nun konnte es losgehen! Nichts ging los. Skina bewegte sich keinen Millimeter von ihrem Platz neben dem Esstisch weg. Wir versuchten sie von hinten ein bisschen anzuschieben - Ringelreihe um Tisch und Stühle ist auf Dauer nicht lustig und macht uns nur zum Deppen. Also legten wir ganz schlau eine Spur aus gekochten Hühnchenstückchen von ihr durch den Flur und bis zur Wohnungstür. Von dort hatte sie noch Treppen bis zur eigentlichen Haustür. Dem Hühnchen konnte Skina nicht widerstehen - bis zur Wohnzimmertür, dann machte sie kehrt. Keinen Schritt in den Flur, selbst wenn ein warmer Broiler dort gehangen hätte.  Also von vorn, Spur legen... bis zum Flur, umgekehrt. Mittlerweile war ein halbes Hühnchen in ihrem Magen und wir keinen Schritt weiter. Cleveres Vieh.  So ging es in etwa 2 Stunden lang.

Also Taktik ändern. Ich holte den Transportkäfig aus dem Auto, stellte ihn im Wohnzimmer auf und drapierte ein Stück Hühnchen darin. Nach 1 Minute war er drin. Tür zu. Manchmal muss man jemanden auch zu seinem Glück zwingen... Also trugen Micha und Sohnemann Skina in ihrer... ähm...seiner Box nach draußen. Die Treppen runter verhielt sie sich verhältnismäßig ruhig, nur ein bisschen Gezappel und Aufregung, aber weit offene, ängstliche Augen. Ich stand schon mit der Kamera bereit. Käfigtür auf und......  Hochspannung pur.

 

Total ruhig und entspannt lief Skina die ersten Runden in ihrem Gehege, immer Shunka im Schlepptau. Das erste Mal seit wir Skina bei uns haben, hat sie sich von Fremden streicheln lassen! Sohnemann Kai und seine Freundin May Britt durften ihn anfassen - er ist nicht geflüchtet und hat ganz still gehalten. Keine Angst in den Augen, nur Vorsicht.

Danach lief Skina wieder ins Haus nach oben, kam aber nach wenigen Sekunden wieder raus. Also hatte sie den richtigen Weg schon gefunden! Wie herrlich! So ging es einige Male: rein ins Haus, nach oben ins Wohnzimmer und blitzschnell die Treppen wieder runter. Sein fehlendes Bein merkt man kaum, so schnell ist er unterwegs!  Ach herrje - was war ich glücklich... musste gleich ein Tränchen vergießen, so gerührt war ich.