Wolfskins Tagebuch Teil 8

Samstag 03.09.2016

Heute ist ein großer Tag. Fotoshooting ist angesagt!

Ich habe die letzten Wochen für das Hundeheim MaxDog in Rumänien, welches ich seit längerer Zeit unterstütze, eine Spendenaktion durchgeführt. Dabei habe ich nicht nur Geld einsammeln können, sondern auch eine ganz tolle Norwegerin kennengelernt. Sie hat ein Herz für Tiere und auch richtig viel Ahnung, dieselbigen in einmaligen Augenblicken mit ihrer Kamera einzufangen.  Sie bietet deshalb preiswerte Fotoshootings an, deren Einnahmen dem Hundeheim zugute kommen. Ein wahnsinnig tolles und großzügiges Angebot! Natürlich sollten unsere Vierbeiner als erstes vor die Linse - schließlich muss man ja mit Probeaufnahmen angeben können!

Gesagt - getan. Damit wir uns nicht blamieren, habe ich meine 3 Hunde noch ausgiebig gebürstet. Leider hat die Zeit nicht gereicht, um Josy ihr schon wieder viel zu langes Haarkleid zu schneiden, aber die Maus ist eben von Natur aus schön. Ganz wie die Mama - denn die sollte ja ursprünglich nicht mit auf die Bilder und hatte sich demzufolge auch kein bisschen herausgeputzt. Ich trug die älteste Hose, die Jacke mit den vielen Farbklecksen drauf und die Haare waren vielleicht früh am Morgen noch ordentich im Zopf, aber beim Shooting längst nicht mehr... Auch Schminke wurde komplett vergessen. Wie gesagt - von Natur aus schön, hehe...

Aber im MIttelpunkt standen ja unsere Fellnasen. Und schaut euch an, wie Wolfskin sein vorbereitendes Styling genossen hat:

Am frühen Nachmittag ging es dann los. Tove Unhjem, die Fotografin, ist wirklich ein Genie hinter der Kamera und weiß genau, wie sie mit Tieren umgehen muss. Die ersten Aufnahmen haben wir im Garten gemacht, aber da war Wolfskin noch seeehr skeptisch. So richtig geheuer kam ihm das ganze Theater nicht vor, und so überließ er die meiste Zeit seiner Shunka die Bühne. Na und die ist das geborene Model:

Nachdem wir auch noch einige richtig tolle Schnappschüsse von den Pferden gemacht hatten, sind wir mit den Hunden in den Wald gefahren. Dort entstanden nochmal wunderschöne Aufnahmen. Der Mama zuliebe hat Wolfskin schließlich alles über sich ergehen lassen, aber seine Blicke sprechen Bände... so ein Job als Dressman ist wohl eher nicht sein Ding.

Montag, 05.09.2016

Heute hat mir mein lieber Herr Klaus, seines Zeichens Lebensgefährte, einen ordentlichen Schreck versetzt. Ich war auf Arbeit und Micha durfte sich an einem freien Tag die ..... hüstel.... Zeit frei einteilen. Also war er mit unseren 3 Fellnasen im Garten. Dies ist in letzter Zeit eine schöne Gewohnheit geworden, meinen Wolfskin mindestens einmal am Tag im Garten frei laufen zu lassen.

Nun, jedenfalls erreichte mich irgendwann eine SMS von Micha, da stand: Skina ist weg. Ich war dem Herzinfarkt nahe und kämpfte schon gegen die aufkommende Verzweiflung; gerade als ich Micha ans Telefon holen wollte, kamen diese Bilder:

Mein Junge hatte es sich einfach nur inmitten der Koniferen gemütlich gemacht! Micha, wenn du mich noch einmal so zu Tode erschreckst, stirbst du einen qualvollen Tod, das verspreche ich!

Freitag, 09.09.2016

Heute erwarteten wir Besuch. Endlich! Meine Eltern kamen aus Deutschland und werden fast 3 Wochen bei uns bleiben! Natürlich waren wir gespannt, wie Wolfskin auf die beiden reagiert. Sein Verhalten Fremden gegenüber hat sich zwar enorm gebessert, aber skeptisch und zurückhaltend ist er trotz allem noch. Da wir nächste Woche für 4 Tage nach Budapest fliegen wollen, hoffen wir, dass Wolfskin nicht überängstlich reagiert und mit den beiden mit raus und spazieren geht. Wenn nicht ... haben wir ein Problem.

Ich muss ehrlicherweise dazu sagen, dass mein Paps gar nicht so erfreut darüber war, dass wir noch einen Hund in die Familie holen. Als hätten wir nicht schon genug zu tun mit unseren Tieren... Obwohl meine Eltern Tiere lieben und unsere Shunka und Klein-Josy abgöttisch auf ihre "Oma und Opa" abfahren, waren sie doch der Meinung, dass wir uns mit Wolfskin übernehmen. Aber ich wusste schon vor ihrem Besuch, dass sie Wolfskin ins Herz schließen werden - genau wie alle anderen Vierbeiner.

Sie kamen gegen Abend mit dem Zug an, und wir hatten vorausschauend die Willkommenszeremonie in den Garten verlegt, da diese erfahrungsgemäß recht stürmisch vonstatten geht.  Auch Wolfskin kam die Haustreppen runtergeflitzt und durch die Hintertür in den Garten, schnupperte an Mutti und Vati - und damit war alles beredet. Oma und Opa wurden von der ersten Minute an genauso akzeptiert wie ich und Micha! Das war der Hammer. So hatte sich Wolfskin bei noch niemandem verhalten. Keine noch so großen Bemühungen und Leckerlis hatten bisher gefruchtet, als Max, ein guter Freund der Familie, Wolfskin nach draußen locken wollte. Er rührte sich nicht aus seiner Ecke im Badezimmer weg. Und nun? Ein kurzes "Na wer ist denn hier?" von meinem Vati, Streicheleinheiten von der Mama - und die Sache war geklärt. Wolfskin ging von stundan mit meinem Papa freudig und brav an der Leine nach draußen (mindestens 100 mal am Tag), und zwischendurch lag er bei Mutti in der Küche und lies sich nach Strich und Faden verwöhnen. Mutti sagte, dass er doch ein so wahnsinnig lieber Kerl sei, pflegeleicht und so wunderschön (seine geflammte Fellfarbe hat es ihr angetan, sie will mal ihren Friseur fragen, ob er das bei ihr auch so hinkriegt). Alles in allem ein durchschlagender Erfolg. Ich war so glücklich und stolz auf meinen Jungen.

Samstag, 16.09.2016

Wie im Flug ist die Woche vergangen. Meine Eltern werden in 3 Tagen Haus und Tiere übernehmen, wenn Micha und ich einige Tage in Budapest die Seele baumeln lassen wollen. Und alles funktioniert so prima! Es ist ein unglaublich gutes Gefühl, mit ruhigem Gewissen und ohne Angst die Tiere aus den Händen zu geben.

Seit einiger Zeit (hatte ich davon noch gar nicht berichtet? Vergessen..oh je..) bringt uns Wolfskin den ultimativen Vertrauensbeweis entgegen: Er legt (ich meine eigentlich nicht legen, sondern schmeißen) sich vor uns auf den Rücken und reckt uns sein Bäuchlein entgegen. Bitte kraulen! Und nicht wieder aufhören!  Die verletzlichste Stelle einen Hundes ist sein Bauch und seine Kehle - in den Hals versucht sich ein Gegner als erstes zu verbeißen.  Wenn man das weiß und dann einen Angsthund so vor sich liegen sieht...  keine Scheu in den Augen, sondern die hoffnungsvolle Erwartung  auf Streicheleinheiten an Bauch, Hals und Beinen ... da muss einem doch das Herz überlaufen vor Freude! So ging es mir jedenfalls. Wolfskin nimmt dann sogar meine Hand zwischen seine Pfoten, damit er mich festhalten kann. Und schaut mal: Sogar die Omi darf an die empfindliche Unterseite! Wer hätte das noch vor wenigen Wochen gedacht?! Ist er nicht einfach der helle Wahnsinn?

Gottchen, wie ich diesen Jungen liebe.

Sonntag, 02.10.2016

Eigentlich gibt es nicht so viel Neues zu berichten.

Wir nutzen den goldenen Herbst und die anhaltende Trockenheit für lange Spaziergänge über Wiesen und unser Stoppelfeld;  ein Stopp am Fluss ist immer mit inbegriffen. Shunka und Wolfskin lieben es, die Furchen entlangzurennen. Wolfskin mit seiner langen Leine kann sich dabei fast frei fühlen, und gestern hat er sogar Shunka zum Spielen aufgefordert! Es ist toll, ihn so unbeschwert und glücklich zu sehen.

Auch wenn wir nicht draußen sind, ist mein Schatz der Sonnenstrahl schlechthin. Er nutzt jede Gelegenheit, sich in der Wärme der Sonne langzumachen - gern auch synchron :-)

Montag, 03.10.2016

Wir schreiben heute den 3. Oktober - Feiertag in Deutschland. Bei uns nicht, also ging ich wie jeden Wochentag früh auf Arbeit. Da es nun so früh am Morgen noch total finster ist (so gegen halb 6), haben meine beiden großen Schatzis ein Leuchthalsband bekommen (meine kleine Josy-Maus geruht so zeitig nur kurz vors Haus zu gehen, um sich danach sofort wieder ihrem Schönheitsschlaf hinzugeben).  Eigentlich sollte es überall Pflicht sein und so akribisch ausgeführt wie hier in Norwegen: Sehen und vor allem gesehen werden. Oberstes Gebot hier, und ich finde es richtig.  Shunka hat ein blaues um, Wolfskin ein organgefarbenes Band. Ich dachte erst, dass ihn das Leuchten vielleicht irritieren würde, aber das hat es nicht. Weder das Über-den-Kopf-Ziehen noch das grelle Licht stören meinen Jungen. So brav. Und schaut mal, wie wichtig es ist gesehn zu werden:

Ja ich weiß, Wolfskins Hals sieht eher aus als stünde er in Flammen, oder wie Micha bemerkte: als hätte er eine riesige Halswunde ....   aber im Original sieht das echt schön aus. Ich bemerke immer wieder, dass Autos sofort abbremsen, wenn sie die beiden bunt flackernden Lichter vor sich auftauchen sehen --> Ziel erreicht!

Mittwoch, 05.10.2016

Es fällt mir schwer, morgens aus dem Haus zu gehen. Hin und wieder hat Micha Spätschicht und ist daheim, aber meistens verlässt er noch vor mir die Wohnung.

Mein Wolfskin mag es nicht, wenn Mama weg geht! Also steht oder liegt er mit steinerweichendem

Blick im Flur, wenn ich meine Schlüssel zusammensuche und die Schuhe anziehe. Ich muss dann immer noch -zig mal umkehren um ihm zu versichern, dass die Mama doch bald wiederkommt...

Sobald die Haustür ins Schloss fällt, fängt Schatzi an zu heulen. Wie ein Wolf. Halb bellen, halb jaulen. Unser Untermieter erzählt mir dann immer, wie lang es andauert. Eine halbe Stunde, auch schon eine ganze. Ich dachte mir dann, dass vielleicht ein Radio Abhilfe schafft. Stimmen hören. Also MDR1 Radio Sachsen eingeschalten. Einen Tag hat's was genützt, dann mochte Wolfskin anscheinend keine Schlager mehr. Aber als kluger Kopf, der ich nun mal bin, hab' ich mir was andres ausgedacht:

Jeden früh trainiere ich eine halbe Stunde mit meinem Sportreifen (Hula-Hopp-Reifen, nur größer und 3 kg schwer, zum Bauchfett abschleifen), und gucke dabei Fernsehen - CSI New York. Für mein Leben gern. Ich habe einfach das Fernsehen nicht ausgeschalten, als ich ging. Einen Versuch war es wert. Und siehe da! Mein Baby scheint genauso auf Verbrechensaufklärung zu stehen wie ich. Vielleicht sind es auch nur die Stimmen, die ihm vertraut sind... Jedenfalls kein Jaulen, kein Bellen, kein Weinen. Yeah!

Menno... dieser Blick jeden Morgen, wenn ich auf Arbeit gehe... Die wissen genau wie's geht!

Mittwoch, 12.10.2016

Heute hatten wir wieder mal einen Tierarzt -Termin mit Wolfskin. Keine Angst - es fehlt im nichts, er ist putzmunter.

Sei einiger Zeit wird in den norwegischen Medien immer wieder vom Import von ausländischen Hunden abgeraten, weil diese angeblich schlimme Volkskrankheiten auslösen würden. Tatsächlich ist es so, dass es hierzulande viele Parasiten und Krankheiten nicht gibt, die in anderen Ländern verbreitet sind. Unter anderem ist Norwegen eines von zwei komplett tollwutfreien Ländern Europas. Daher gibt es auch strenge Einreisebestimmungen, die allerdings vor einigen Jahren gelockert wurden. Nun gibt es -leider- immer wieder Privatpersonen und auch Organisationen, die sich eben nicht an die Auflagen halten oder "wild" importieren. Auslöser für den Medienrummel war allerdings ein Hund aus Spanien, der Herzwürmer mitgebracht hat. Sehr, sehr unschön; schmerzhaft und ansteckend, das Todesurteil für den armen Hund und ein Riesenschock für die Besitzer.

Deswegen habe ich beschlossen, mit Wolfskins diverse Bluttests machen zu lassen. Nicht, weil ich einen Verdacht hege, sondern um verantwortungsvoll und vorbeugend zu handeln.

Erinnert ihr euch? Bei der ersten Untersuchung kam die Tierärztin ins Auto und hat ihn dort eine Betäubungsspritze gegeben. Und hier? Skina -Wolfskin-  ist mit mir schön brav an der Leine zum Tierarzt hineingelaufen! Hat sich artig auf die Waage gestellt und huldvoll die angebotenen Leckerlis verschmäht (er ist seeeehr wählerisch). Dann ließ sich Skina auf dem Boden den Behandlungsraumes nieder und harrte der Dinge die da kommen sollten. Beine rasieren...neeee! Die Tierärztin hatte keine Chance. Skina zog seine Beine einfach immer wieder unter den Körper, war aber sonst ruhig und nicht panisch. Wir haben uns dann entschlossen, ihn wieder eine leichte Betäubung fürs Blut nehmen zu geben, um ihn nicht unnötig zu stressen und Angst zu machen. Ich war doch so glücklich, dass er von ganz alleine mit mir da reingegangen ist! Unsere Shunka und Josy müssen wir zum Tierarzt schleifen oder tragen.... die gehen nicht freiwillig.     

Wolfskin hat sich dann ohne auch nur mit den Augen zu wackeln die Betäubungsspritze setzen lassen. Leider fährt dadurch auch der Blutdruck in den Keller, und Lise-Marie hatte ganz schön zu tun, ihm die notwendige Menge kostbaren Lebenselexiers abzuzapfen. Deswegen mussten auch beide Füßchen herhalten. Aber schaut mal, Lise hat das ordentlich und modebewußt hinbekommen, oder nicht?

Nach dem Aufwachen hat Skina dann herzerweichend gefiept und geheult - das hält keine Mama lange aus. Also habe ich den restlichen Nachmittag von der Arbeit frei genommen und mich neben meinen Schatz gesetzt. Und schon kehrte Ruhe ein. Ist halt schön, wenn die Mama Händchen hält.

Sonntag, 16.10.2016

Unser Morgen beginn wie immer am Wochenende - mit einer ausgiebigen Tour durch den Wald. Oder um es anders auszudrücken: Wir lesen die Hunde-BILD am Sonntag :-) Müssen interessante Sachen drin stehen, so lange wie das Lesen manchmal dauert...

Sonntag, 30.10.2016

Fast 8 Monate sind vergangen, seit Wolfskin bei uns ist. Dabei kommt es mir so vor, als wäre er schon ein halbes Leben lang ein Teil von mir. Ganz sachte und ohne großes Aufhebens hat er sich in mein Herz geschlichen und mich verändert. Er ist so ein genügsamer, lieber Junge. Er nimmt dankbar an was ich ihm gebe, ohne dabei jemals zu fordern. Niemals aufdringlich oder beharrlich bettelnd, immer still anwesend abwartend.

Wir haben viel erreicht in diesen Wochen, sind miteinander gewachsen. Seine anfängliche Angst hat uns zusammenwachsen lassen, und das langsam wachsende Vertrauen in mich ist Balsam für unserer beider Seelen.  Er wusste anfangs nicht einmal, was Freude ist. Niemals hat sich sein herrliches buschiger Schwanz freudig bewegt. Vor einigen Wochen konnten wir ab und zu eine ganz leichte, zaghafte Bewegung ausmachen, und heute ist tatsächlich ein richtiges Schwanzwedeln zu sehen, wenn ich von der Arbeit komme und er im Flur auf mich wartet! Nicht dieses Ganzkörper-Schütteln wie es Shunka veranstaltet, aber ein deutlich erkennbares Schwenken versüßt mir jeden Tag die Heimkehr. Mal sehen, ob ich doch irgendwann einmal gefilmt bekomme!

Und noch etwas hatte ich ganz vergessen zu erwähnen: Schaut mal, das Vorher- und Nachher- Bild vor unserer Haustür:

Unser Gehege, Strolchenhof oder wie auch immer wir die letzendlich ausbruchsichere Einzäunung unserer Vorhofes genannt haben, ist weg! Wir haben sie abgebaut in dem Wissen, dass sie nicht mehr notwendig ist. Wolfskin lässt sich brav und gerne drin im Hausflur anleinen oder geht durchs Treppenhaus aus dem Hinterausgang in den eingezäunten Garten hinaus. Davon konnten wir vor einem halben Jahr nur träumen!

Und so sieht es jetzt aus, wenn wir Gassi gehen:

Keine Spur mehr von dem so panischen Hund. Wolfskin lässt sich mit Freude sein Halsband anlegen, setzt sich sogar von selbst hin in freudiger Erwartung.  Ist das nicht wundervoll?!

Donnerstag, 03.11.2016

Heute gibt es wiedermal etwas zu berichten. Ich bin zwar fast an Herzstillstand gestorben, aber im Nachhinein war die Erleichterung und Freude riesig!

Ihr wisst ja, dass wir mit unseren beiden Großen das Treppenhaus hinuntergehen und ihnen dort Halband und Leine anlegen, bevor wir die Haustür öffnen und ins Freie gelangen. Vormals stand dort noch unser "Gefängnis" als Puffer zwischen Drin und Draußen, aber der ist jetzt weg. Wir achten daher immer penibel darauf, dass niemand die Haustür öffnet, während wir dabei sind, Skina anzuleinen. Damit er nicht zufällig nach draußen schlüpft. Es ist auch schon hin und wieder passiert, dass unsere Shunka die Haustür selbst öffnet, wenn sie durchs Fenster etwas sieht, was sie zur absoluten Eile und Eigeniniative antreibt. Solange wir dabei sind und Shunka rechtzeitig Sitz machen lassen können, ist das auch kein Problem. Bis heute nachmittag.

Ich ging wie immer mit meinen beiden Großen das Haus runter, Madame Josy wollte nicht mit.

Shunka war schon ganz hibbelig, weil draußen irgendetwas ihre Aufmerksamkeit erregt hatte.  In einer Sekunde saß sie noch brav vor mir, als ich meine Schuhe anzog, in der anderen sprang sie auf, hoch und an den Türdrücker - und raus. Ich konnte gar nicht so schnell reagieren, wie mein Wolfskin hinterher flitzte. Ohne Leine! Shunka, du blödes Mistvieh!!!!!!  war mein erster Gedanke - man verzeihe mir. Ein Schritt zur offenen Tür - da stand mein Wolfskin ganz brav dort draußen, nur 2 Meter von der Haustür entfernt und schaute mich abwartend an. Ich rief ihn zu mir ins Haus - und er zögerte keine Sekunde! Kam zu mir, setzte sich vor mich hin und wartete geduldig, bis ich ihm die Leine angelegt hatte.

Ich habe geweint vor Erleichterung und Freude. Er hätte weglaufen können! Zumindestens in den Hof oder auf die Wiese oder sonstwohin. Aber er hat es nicht getan, er hat auf mich gewartet. Ihm ist im Traum nicht eingefallen, die Situation auszunutzen. Was für ein Wahnsinn!!

Montag, 07.11.2016

Meine kleine Josy ist tot.

Wir mussten sie heute morgen gehen lassen, nachdem sie am Wochenende akutes Nierenversagen erlitt. Einfach so, ohne Vorwarnung. Sie ist zu Hause in meinen Armen eingeschlafen, nachdem wir beide eine qualvolle Nacht hinter uns gebracht haben. Ich konnte sie nicht länger leiden lassen. Schlaf gut, mein Schatz, ich vermisse dich unendlich, ein Teil von mir ist mit dir gegangen.

Shunka und Wolfskin nehmen Josys Tod recht gut auf - ja eigentlich muss ich sagen, dass die beiden Josys Fehlen nicht wirklich großartig zu berühren scheint. Sicherlich auch, weil Josy meist für sich allein war und die beiden "Großen" zusammengehalten haben.  Im Gegenteil - Wolfskin bewegt sich nun freier und selbstbewusster - die Chefin ist nicht mehr da. Niemand, mit dem er gleichzeitig um Mamas Gunst buhlen muss.  Wie auch immer - mein Sonnenschein Wolfskin hilft mir sehr über Josys Tod hinweg.