Schicksalsjahre

Heute möchte ich meinen Post jemand ganz besonderem widmen.

Er ist "nur" ein Tier, und für die meisten wahrscheinlich nur irgendein Hund von Tausenden.

Aber für mich und viele andere steht Wolfskin für schreckliches Leid, erfolgreichen Tierschutz und Nächstenliebe, Kampf und Verlust, Sieg und Glück.

Genau heute vor 2 Jahren, am 15. März 2016, durfte Wolfskin sein neues Zuhause das erste Mal betreten. Oder richtiger ausgedrückt: Er musste sich in einer Transportkiste hinein tragen lassen. Denn an Geschirr, Halsband oder Leine war nicht zu denken, anfassen nur bedingt.

Die grausamen Methoden der Hundefänger in Rumänien haben Wolfskin nicht nur ein Bein gekostet, sondern auch sein Vertrauen in die Menschen. Dank Dr. Rudi Hofmann vom Verein Dog Recue Romania, der ihn aus dem Todeslager LacuSerat geholt und ihm sein halb abgerissenes Bein fachmännisch amputiert hat, ist Wolfskin noch am Leben. Kaum einer hat geglaubt, dass er nach dieser schweren Verletzung und den vielen Wunden, fast verhungert und in Todesangst, überhaupt am Leben bleibt.

Aber Wolfskin ist ein Kämpfer - damals wie heute.

Ich wusste damals nicht, auf was genau ich mich einlasse. Zum Glück nicht.

Die ersten Wochen hier in Norwegen waren gelinde gesagt - furchtbar. Ich schwankte von Angst zu Verzweiflung, von Hoffnungslosigkeit zu Mut, von Aufgeben zu Kampfgeist.

Die Schritte waren winzig. Jeder noch so kleine Erfolg - das Berühren können, Nicht-weglaufen vor uns, Futter aus der Hand nehmen- machte Mut und gab Hoffnung. Hoffnung, dass vielleicht die seelischen Wunden irgendwann verblassen würden. Verheilen wahrscheinlich nie, aber so weit in die Vergangenheit rücken, dass Wolfskin nicht in jedem Menschen einen Folterknecht sehen würde.

Die ersten großen Erfolge an der Schleppleine mit 2 m Kettenleine gegen das Durchbeißen.

Heute ist Wolfskin ein fast normaler Hund. Oder auch nicht. Niemand in unserer Familie, unserem Freundeskreis und keiner meiner Arbeitskollegen hat jemals einen solchen Hund erlebt. Er fordert absolut nichts und ist dankbar für die kleinste freundliche Geste, für jeden Leckerbissen und für jeden Spaziergang. Noch immer zuckt er bei heftigen Bewegungen neben ihm zusammen, und weiße Transporter jagen ihm Angst ein. Aber er vertraut mir, geht mit mir an der kurzen und langen Leine. Mittlerweile darf er sogar an ausgewählten Plätzen frei laufen und springen - und das dankt er mit Liebe und Hingabe.

Aus dem gequälten rumänischen Straßenköter ist ein wunderschöner, glücklicher und zufriedener Gefährte geworden. Ich bin so stolz auf meinen Wolfskin, dessen Mut so groß ist wie sein Herz.

Kaum etwas macht mich gllücklicher als zu sehen, wie er das Leben genießt; seinen Frieden hat, wenn er einfach nur ruhig und ohne Stress dabei sein darf, ja sogar auf Fremde zugeht. Mit Vorsicht und zögerlich, aber zwischen heute und heute vor 2 Jahren liegen Welten.

Wir wissen nicht, wann Wolfskin geboren ist. Aber am 15.03. begann sein neues Leben in Norwegen.

Deswegen feiern wir heute seinen Geburtstag! Alles Liebe, mein Schatz - ich freue mich auf viele Jahre mit dir an meiner Seite!

Wenn euch die ganze Geschichte interessiert, dann lest einfach Wolfskins Tagebuch. Ihr findet es hier.

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