Abschied ist ein bisschen wie sterben

... jedesmal wieder. Nur dass es heute Morgen ein sehr endgültiges Lebewohl war. Das Wetter zeigt sich grau und trist, ganz wie es sich zu einem solchen Anlass gehört.

Micha ist aufgebrochen in sein neues Leben. Mitgenommen hat er die Pferde Cheyenne und Wonderboy, und Sunka, unseren schwarzen Wolf. Zurück bleiben Wolfskin, ich und fast 16 gemeinsame Jahre, davon 11 in Norwegen. Eine lange Zeit, in der wir vieles miteinander aufgebaut haben, durch dick und dünn gegangen sind. Wir dachten einmal, wir seien Seelengefährten. Aber wie heisst es so schön? Irren ist menschlich. Ja, das ist es wohl. Zeiten verändern sich, Menschen nicht. Sie hören im Laufe der Jahre nur auf etwas zu sein, was sie nicht wirklich sind und nie wirklich waren. Entweder reicht es dann immer noch oder gerade deshalb für ein gemeinsames Leben - oder eben nicht.

Es gibt einen Film, den ich sehr mag. Darin fällt ein Satz, der sich mir in den letzten Monaten, Wochen und Tagen und auch heute Morgen immer und immer wieder ins Bewusstsein geschoben hat, wie ein Mantra: Lieber aus den richtigen Gründen allein als aus falschen zu zweit.

Aber allein bin ich ja nun wirklich nicht! Ich habe meinen Sohn und MayBrit hier, Enkelchen Elina wächst und gedeiht. Mein Wolfskin ist zum treuesten aller Begleiter geworden; ich habe liebe Arbeitskolleginnen und meine Familie und jede Menge gute Freunde sowohl hier als auch in Deutschland. Und Österreich natürlich ;-)

Ich hatte mehrere Wochen und Monate Zeit, mich auf diesen Tag vorzubereiten. Schon seit langem versuche ich, innerlich Abstand zu dem zu schaffen, was mir einmal lieb und teuer war. Und ein stückweit ist es mir auch gelungen, dachte ich jedenfalls.

Auch hier bin ich meinem Schöpfer wieder dankbar, dass er mir Frohsinn und Lebenslust mit in die Wiege gelegt hat. Hinfallen, Aufstehen, Krönchen richten, weitermachen. Und genau das werde ich tun.

Ich habe jede Menge Arbeit und den Kopf voller Pläne. Ich nehme bald die Ferienwohnung in Angriff. Frühling und Sommer stehen in den Startlöchern, mein erster richtiger Urlaub (von meinen Besuchen in Dtl. abgesehen) seit vielen Jahren steht vor der Tür. Im Sommer gibt es anlässlich Elinas Taufe ein Wiedersehen mit der ganzen Familie hier bei mir. Darauf freue ich mich sehr.

Also überhaupt keine Zeit zum Trauer tragen und Trübsal blasen - es ändert ja nichts an der Situation. Irgendwann wird es nicht mehr schmerzen, und statt Wehmut und bitteren Gedanken nisten sich die Erinnerungen an eine aufregende und schöne Zeit ein.

O ja, es wird noch lange weh tun, jeden Tag auf die verwaiste Pferdekoppel und unseren selbstgebauten, schönen Stall zu blicken. Und die Erkenntnis, dass Sunka nicht mehr schwanzwedelnd um die Ecke geflitzt kommt, muss ich auch erst noch verarbeiten. Wolfskin wird sicher seine Freundin suchen, auch wenn er eher ein Einzelgänger und Mama-Junge ist. Ich werfe bestimmt die nächsten Tage hin und wieder einen Blick zum Küchenfenster hinaus, um zu sehen, ob Michas gelber Transporter die Einfahrt hoch gefahren kommt. Das wird er nicht. Er ist auf dem Weg in sein altes, neues Leben.

Lieber Micha, ich wünsche dir alles Gute in Deutschland, mögest du dort endlich das finden, was dich wirklich glücklich macht. Bring unsere drei Vierbeiner gut in ihr neues Zuhause und pass gut auf sie auf. Grüße sie ab und zu mal von ihrer Mami.... ich hab sie lieb.

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